Biotopverbund "Waldränder der Frankenhöhe"

In einer Studie des Forstamtes Rothenburg, beauftragt durch die Stadt Burgbernheim, wurde eine Bestandsaufnahme der Flora und Fauna entlang des Waldrands des Stadtwalds Burgbernheim durchgeführt.
 

Vogelbeobachter

Vogelbeobachter in Burgbernheim

Zusammenfassung:

Ziel der Untersuchung war die ökologische Bewertung des Istzustandes der Waldränder im Stadtwald Burgbernheim mittels separater Strukturkartierung und faunistischer Arterfassung. Bei der Strukturerfassung wurden die Strauch- und Baumarten der Mäntel, die Nutzungsart vor dem Strauchmantel, der Krautsaum und die Verjüngungs- und Habitatstrukturen erfasst. Als Zeigergruppe für die Qualität der Saumausstattung im faunistischen Bereich dienten die vorkommenden Brutvogelarten. Daneben wurden Streudaten über Fledermäuse, Amphibien, Insekten und Pflanzen erhoben.
 
Mit 13 standortheimischen Laubbaumarten (Quercus spec. nicht getrennt) sind die Waldbestände im Stadtwald Burgbernheim als artenreich zu charakterisieren. Besondere Beachtung verdienen hierbei die Vorkommen der Elsbeere (Sorbus torminalis) und der Mehlbeere (Sorbus aria).
 
Im Stadtwald Burgbernheim konnten 18 Straucharten (Sammelarten) nachgewiesen werden. Die dominierende Heckengesellschaft ist das Liguster-Schlehen-Gebüsch (Pruno-Ligustretum), als Kennart tritt hier nur der Liguster (Ligustrum vulgare) auf, die Elsbeere (Sorbus torminalis) kann für Mittelfranken als lokale Kennart gelten.
Begleitende Gehölze sind zum einen die basiphilen Kenn- und Trennarten des Berberidion wie Roter Hartriegel (Cornus sanguinea), Feld-Ahorn (Acer campestre), Pfaffenhütchen (Evonymus europaeus) und Gemeine Heckenkirsche (Lonicera xylosteum). Zum anderen finden sich regelmäßig einige Sträucher der Prunetalia mit weiterer Amplitude, darunter vor allem die Schlehe (Prunus spinosa) sowie verschiedene Rosen- und Weißdornarten (Rosa div. spec., Crataegus div. spec.). Für die Ausbildung grundfeuchter, basenreicher Standorte ist der Gemeine Schneeball (Viburnum opulus) Trennart. Auf nährstoffreichen Standorten tritt der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) zu den bereits erwähnten Sträuchern hinzu und wird von zahlreichen nährstoffliebenden Kräutern begleitet.

 

Die Gesellschaft ist typisch für warme Waldränder und Hecken. Sie stockt auf relativ basenreichen Standorten, der pH-Wert des Bodens liegt im neutralen bis schwach sauren Bereich. Mit einer durchschnittlichen Artenzahl von knapp 32 Arten ist sie die artenreichste Waldrandgesellschaft im Untersuchungsgebiet des Biotopverbundes.

 

Mittelspecht

Im Stadtwald Burgbernheim wurden bisher 50 Brutvogelarten nachgewiesen, darunter sieben Arten der "Rote Liste" Bayerns. Grauspecht, Schwarzspecht, Mittelspecht und Neuntöter sind zudem Arten des Anhangs I der Vogelschutz-Richtlinie (79/409/EWG vom 25.04.1979). Im Stadtwald Burgbernheim konnten alle im Gebiet heimischen Spechtarten nachgewiesen werden: Buntspecht, Grünspecht, Grauspecht, Mittelspecht, Kleinspecht, Schwarzspecht und Wendehals.

Im Jahr 2002 wurden zeitgleich die Brutvogelarten zehn weiterer Waldränder im Bereich des Biotopverbundes kartiert. Der Gutachter, Herr Alkemeier, stellt in seiner vergleichenden Bewertung für die Brutvogelfauna fest, der Waldrand von Burgbernheim ist nahezu in allen Werten herausragend. Lange und bestens strukturierte Waldränder sind eng mit Heckenzonen, Trockenrasen und sehr alten Streuobstbeständen verzahnt. Teilbereiche des Waldrandes weisen Urwaldcharakter auf.

Nasse und sehr trockene Bereiche wechseln miteinander ab, ebenso fette und magere Zonen. Die Topographie weist ein vielgestaltiges Relief mit einigen beeindruckenden, tiefen „Schluchten“ auf. Durch ein welliges Profil werden bis auf reine Südlagen alle Expositionen erreicht.
 
In Burgbernheim wurde mit 50 Brutvogelarten eine erstaunlich hohe Zahl gefunden, die höchste von allen untersuchten Flächen im Bereich des Biotopverbundes. Wie hoch dieser Wert ist, zeigt ein direkter Vergleich mit dem polnischen Tieflandurwald Bialowieza. In einem Zehnjahresmittel wurden hier innerhalb einer echten Urwaldfläche, die an natürliche unbewaldete Zonen grenzt (hoher Waldrandanteil) ebenfalls 50 Brutvogelarten festgestellt.
 
Doch nicht nur die Artenzahl ist in Burgbernheim sehr hoch. Mit sieben vorkommenden Rote-Liste-Arten und einer Rote-Liste-Brutpaarzahl von 10,5 liegt diese Fläche an der Spitze aller untersuchten Probeflächen im Verbund. Der Rote-Liste-Anteil weist mit 5,75 % den dritthöchsten Wert auf. Auch die Siedlungsdichtewerte sind mit 237 BP/10 ha sehr hoch. Der Anteil der Höhlen- und Nischenbrüter ist im Vergleich überdurchschnittlich, was eine gute Ausstattung mit Biotop- und Höhlenbäumen bestätigt. Der Anteil der Kraut- und Strauchbrüter ist dagegen leicht unterdurchschnittlich. Dies dürfte durch die in der Regel nur geringe Tiefe des Strauchmantels begründet sein. Insgesamt sind die Burgbernheimer Flächen hinsichtlich der Vogelfauna jedoch nicht nur von landkreisweiter, sondern von regionaler Bedeutung.
 
Für eine Bewertung sonstiger Tiergruppen liegen im Moment keine Vergleichsdaten aus dem Biotopverbund vor. Wertgebende weitere Artvorkommen sind aus naturschutzfachlicher Sicht die Nachweise der FFH-Arten Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) und der Gelbbauchunke (Bombina variegata).
 
Die Bewertung der Flächen wurde mittels eines Punkteschlüssels vorgenommen. Verbundsituation und Vogelfauna sind hervorragend ausgeprägt. Von guter Ausprägung sind Waldbestände, Biotop- und Höhlenbaumangebot, Strauchmantel, Krautsaum und sonstige Fauna (zwei FFH-Arten). Herausragend ist im Stadtwald Burgbernheim die Verbundsituation. Eine vergleichbar optimale Vernetzung ins Offenland gibt es im restlichen Biotopverbund nicht. Nur das Totholzangebot, vor allem an stehendem Totholz, bedarf einer intensiveren Verbesserung. Die Waldränder im Stadtwald Burgbernheim sind insgesamt von guter Ausprägung.